ZEITUNGSBERICHT IN DER "AUGSBURGER ALLGEMEINE",
JULI 2007
von Monika Kech
Mit einem Fest der Begabungen hat das Maria Ward Haus in Altenmünster am Wochenende sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Rund 100 Gäste kamen aus ganz Deutschland und trugen mit Musik, Tanz, Theater und bildender Kunst zum Gelingen des Festes im großen Naturgarten bei.
„Menschen, Natur und Kunst waren uns von Anfang an wichtig“, umreißt Mitbegründerin Beatrix Moos die Prinzipien des Hauses. Das ist 25 Jahre lang umgesetzt worden: Menschen können kommen, wie sie sind, ohne sich verstellen zu müssen oder bestimmte Anforderungen zu erfüllen. Die Natur bekommt ihr Recht im liebevoll ökologisch betriebenen Garten, wo ein „geordnetes Chaos“ herrscht: „Leben lassen, wie es kommt“, findet Moos. Der gärtnerische Ertrag dient auch am Festtag als Nahrung: Ein üppiges Gemüse-Bohnengericht wird in einer riesigen gusseisernen Partypfanne zubereitet.
Kunstausstellungen hat es im Maria Ward Haus seit jeher gegeben. Auch das Fest beginnt mit einer Vernissage. Franz Hämmerle, der schon 1984 Skulpturen im Garten aufstellte, ist mit zwei großen Holzplastiken vertreten. Norbert Zagel steuerte Kopfstelen und Spiralen bei. Zeichnungen und Aquarelle der griechisch-deutschen Künstlerin Antigoni Triantafillou und - erstmals ausgestellt – Bilder von Anita Caesmann sind im Haus zu bewundern und auch käuflich zu erwerben. Die Arbeiten aller vier Künstler befassen sich mit Sinnes- und Körperwelten, mit Körperlichkeit und Bewegung, eben mit dem, was im Maria Ward Haus gelehrt und gelebt wird.
Es ist ein fröhliches Fest. Die Wertinger Konditorei Caesmann hat zum Jubiläum eine große Torte in Form eines Hauses gebacken und die vier Bewohnerinnen samt Hund mit Kuvertüre auf den Zuckerguss gezeichnet. Ein Ensemble aus zehn Frauen spielt auf selbstgebauten Bambusflöten – von der kleinen Sopran- bis zur gewaltigen Kontrabassflöte. Das ist auch eine Hommage an die beiden Instrumentenbau-Kurse, die im Maria Ward Haus stattgefunden haben. Aus Pappröhren und Verpackungsmaterial entstehen Donnerrohre, Knall- und Schwirrtrommeln. Bunt bemalt, heißen sie, passend zum Tag, „Freudenlärminstrumente“.
Mit Pantomimen und Maskenspielen unterhält das Spielwerktheater Diedorf die Gäste und rezitiert – nicht ganz ernst gemeint - Mythen der Welt. Die Geschichte von Romeo und Julia etwa wird abgewandelt. Die Liebenden finden nach einigem Hin und Her heraus, dass sie doch nicht zusammenpassen und gehen erleichtert getrennte Wege. Schließlich dürfen sich die Zuschauer selbst eine Maske vors Gesicht binden und ausprobieren, wie sich das auf Empfindung, Gang und Körperhaltung auswirkt.
Einen Blick zurück wirft Altenmünsters Bürgermeister Bernhard Walter. Als Ilsetraud Köninger, Beatrix Moos und Veri Grundl vor einem Vierteljahrhundert das Haus in der Eppishofer Straße kauften, seien sie zunächst einmal auf Vorbehalte gestoßen. „Wozu braucht man das?“ hätten sich die Leute gefragt, als sich abzeichnete, was die drei Frauen vorhatten. Die energiesparenden Techniken, die das Dreierteam schon in den frühen 90er Jahren einbauten, seien allenfalls milde belächelt worden. Heute sehe man das anders: „Umweltschutz ist Top-Thema.“ Und auch die Kurse seien wichtig. „In unserer Zeit brauchten wir dringend Möglichkeiten des Ausgleichs“, betont der Gratulant. Als Geschenk überreicht er ein Glasbild mit dem Wappen der Gemeinde.
Infokasten
Der „Freundeskreis Maria Ward Haus Altenmünster“ informierte auf dem Fest über seine Aktivitäten. 25 Mitglieder wollen die Idee des Gäste- und Seminarhauses fördern und die Betreiberinnen finanziell und tatkräftig unterstützen. Eine professionelle Hochwasserpumpe mit 20 Meter Schlauch für das überschwemmungsgefährdete Grundstück in der Eppishofer Straße wurde schon angeschafft, desgleichen ein Oberflächenwassersauger. Der Freundeskreis möchte jetzt den Einbau eines Trinkwasserfilters unterstützen und plant im Januar 2008 ein Arbeitswochenende, an dem etliche Gästezimmer renoviert werden sollen.